Touristische Argumente
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Postkarte um 1880 - das Erlebnis von wilden Wassern gehört seit Jahrhunderten zu den Haupt-Magneten im Bergtourismus.
Touristische Kreise wehren sich gegen ein Wasserkraftwerk der BKW
Rosenlaui ohne „Schattenhalb 4“
der Kampf gegen den langsamen Zerfall eines touristischen Unikats
Das Rosenlaui ist dank seiner einzigartigen Entwicklung ein ganz besonderes Tal. Die grosse Zeit an der Wiege des Tourismus im 18. und im 19. Jahrhundert hat das Gebiet ebenso geprägt, wie der plötzliche und vollständige Stillstand ab der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Vor allem ab den späten 60er Jahren war der Verzicht auf die mechanischen und zivilisatorischen Errungenschaften des modernen Massentourismus auch planerisch fundiert: das Rosenlaui verzichtet auf Skilifte, Bergbahnen und belässt die Infrastruktur bewusst einfach. Nur so kann sich der Naturtourismus, das Reservat für ursprüngliche Naturerlebnisse und Ruhesuchende voll entwickeln. Während sich der Tourismus all die Jahre grösstenteils an die Vorgaben gehalten hat, kümmert sich das Projekt "Schattenhalb 4" weder um historische noch um planerische Gegebenheiten.


Rosenlaui – bald schon ein Alpental wie tausend andere?

Seit einigen Jahren wird die nur lose festgeschriebene Übereinkunft schleichend aufgebrochen. Kahlschlag im Forstwesen, Baustellen, Deponien und Baggerstrassen u.a. nach Hochwassern und schlussendlich auch die Grossbaustelle im Oberzwirgi haben dem Tal landschaftliche Wunden zugefügt, die erst in einigen Jahren wieder verheilen – und nur, wenn wir ab sofort mehr Sorge zu unserer Landschaft tragen. Gleichzeitig hat der schleichende Ausbau der Strasse mit dem durchgehenden Teerbelag und den weiteren Verbreiterungen die Belastung durch Autos und Motorräder rasant ansteigen lassen, so dass an einigen schönen Sommer- und Wintertagen das ganze Tal mit Autos überfüllt ist. Nun soll auch noch der Jagdbann – der einzige griffige Schutzstatus, der das Rosenlaui hat – verlegt werden. Natur und Landschaft entlang der Strasse bis auf die Grosse Scheidegg würden somit vollständig dem Schutze entzogen, und einer weiteren unschönen Entwicklung Tür und Tor geöffnet. Können wir diese Entwicklung nicht bremsen, wird das Rosenlauital in wenigen Jahren ein Tal sein, wie es sie zu hunderten im Alpengebiet gibt: überlaufen, verbaut, laut und ohne Zauber …


Keine Baustelle im geschichtsträchtigsten und
wildromantischsten Panorama der Alpen

Nun plant die BKW, mit dem Wasserkraftwerk "Schattenhalb 4" einen weiteren grossen Schnitt in das Gebiet Rosenlaui. Die Grossbaustelle, die unsere Gäste im Oberzwirgi weitere Jahre begrüssen wird und die neue mehrjährige Baustelle ausgerechnet eingangs Gschwandtenmaad, dem geschichtsträchtigsten und wildromantischsten Panorama der Alpen, werden viele Stammgäste unseres Tales vor den Kopf stossen und sie in ihrem Ferien- und Wandergebiet massiv einschränken. Zum enormen optischen Einschnitt in die Landschaft durch zahllose Baumaschinen, Deponie-Berge und aufgerissenes Land kommen die grossen Lärmimmission (etwa durch die jahrelangen Detonationen des 2.5 Kilometer langen Schachtes).


Und wann kommt die nächste Baustelle?

„Nach ein paar Jahren sieht man nichts mehr von all dem!“ Diesen Satz bekommen unsere Gäste in letzter Zeit oft zu hören. Tatsächlich soll sich ein Grossteil der Wassernutzung von "Schattenhalb 4" schlussendlich unterirdisch abspielen. Aber jede Operation hinterlässt Wunden, je grösser die Operation, umso grösser die Wunden. Und unsere Gäste erhielten in den letzten Jahren Anschauungsunterricht in Sachen Wundheilung: die moderne Forst- und Bauwirtschaft arbeitet heute derart mechanisiert und ohne jegliche handarbeitende Sorgfalt, dass die Wunden tiefer geschlagen werden und Heilungsprozesse wesentlich länger dauern. Wann hat Rosenlaui die „Schattenhalb 4“-Baustelle vollständig überwunden? In 20 Jahren? In 50 Jahren? Und wann kommt die nächste Baustelle?


„Schattenhalb 4“ bringt weiteren Ausbau der Infrastruktur

Trotz den Investitionen der vergangenen Jahre ist die Scheideggstrasse zwischen Zwirgi und Gschwandtenmaad kaum in der Lage eine Grossbaustelle wie "Schattenhalb 4" zu ver- und die Unmengen Deponiematerial zu entsorgen. Der Ausbau der Strasse durch den engen, schluchtähnlichen Talabschnitt wird eines der Überbleibsel der Baustelle "Schattenhalb 4" sein. Sie dürfte an schönen Tagen den Strom Menschen auf ihren motorisierten Tagesausflügen weiter anschwellen lassen.

Ebenso dürfte die Gelegenheit beim Schopf gepackt werden und das Tal nun definitiv bis auf die Grosse Scheidegg mit dem öffentlichen Stromnetz überzogen werden. Das Rosenlauital hätte heute beste Voraussetzungen seinen Weg zum CO2-freien und energiemässig unabhängigen Ferienort ohne Atom- und Kohlestrom konsequent weiter zu führen. Leider wird diese Chance vertan. Dabei dürfte es in Zukunft zum ganz grossen Thema werden, dass man sich während der Urlaubstage ökologisch das Gewissen rein halten kann. Das Hotel Rosenlaui hat die letzten Jahre stark an diesem Thema gearbeitet und kann darauf einen Teil seines Erfolges gründen.


Rosenlaui nach „Schattenhalb 4“ –
ein Tal ohne Wasser, ein Tal ohne Energie!

Und dann sind da vor allem und schlussendlich jene Eingriffe, die man sehr wohl auch künftig sehen wird, auch in 50 Jahren noch, auch in 100 Jahren noch: Dem wunderbaren wilden und natürlichen Bachlauf vom Gschwandtenmaad bis Zwirgi wird schlichtweg das Wasser entzogen. Über drei Kubikmeter pro Sekunde soll vom Reichenbach ab- und der Turbinen zugeführt werden. Dies wird für unseren Tourismus und für das Ökosystem am Bachlauf an den allermeisten Tagen des Jahres nicht mehr als die geforderten 180 Liter pro Sekunde Restwasser übrig lassen - eine Menge, die weder sicht- noch hörbar ist.

Das Erlebnis von wilden Wassern gehört bis heute zu den grossen Magneten im Berg-Tourismus: das Rauschen, das Tosen, das Plätschern, der feine Wasserstaub, die neue, frische Energie, die von einem wilden Bergbach ausgeht – all dies fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten und lockt bis heute viele auch ins Rosenlauital. Seit vor 100 Jahren im Alpenraum der Kraftwerks-Boom seinen Anfang genommen hat, sind unverbaute und ungenutzte Wildbäche etwas Seltenes geworden. Ein Wildbach ist immer: viel Wasser mit grossem Gefälle – und somit jedem Stromproduzenten ein Objekt der Begierde. Im Rosenlauital geht ein letztes Exemplar entlang einem wunderbaren Wanderweg, sogar entlang einer Strasse und wird jedes Jahr von Zehntausenden Besuchern genossen.


„Schattenhalb 3“ genügt offenbar noch nicht

Im Herbst geht das neue Kraftwerk „Schattenhalb 3“, das der Reichenbach auf seinem letzten Weg in den Talboden nutzt, ans Netz. Mit diesem neuen und modernen Werk werden die teilweise über 100jährigen Anlagen der Elektrowerke Reichenbach EWR optimiert. "Schattenhalb 3" wird künftig wesentlich mehr Strom liefern - auch weil der einst weltberühmte Reichenbachfall noch einmal Haare lassen musste. Der Tourismus hat sich bei der Konzessions für "Schattenhalb 3" nicht zur Wehr gesetzt - auch im Glauben, dass der Reichenbach damit seine Pflicht erfüllt hat und das Tal vor weiteren Eingriffen der Stromwirtschaft geschützt ist.

Leider war das ein Irrtum.
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